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Museum Berlin-Karlshorst - Der Nachhall des vergangenen Krieges hält die Erinnerung wach von Elizaveta Liphardt
In der Nacht vom 8. zum 9. Mai unterzeichneten hier Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpff als Vertreter der drei deutschen Teilstreitkräfte die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Damit war das Ende des Zweiten Weltkrieges Wirklichkeit. Im Oktober 1949 wurde hier dem Ministerpräsidenten der DDR Otto Grotewohl im sogenannten Kapitulationssaal seitens der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland die Verwaltungsfunktionen übergeben.
In dieser Form existierte das Museum bis 1990, als der Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland vereinbart wurde. Noch im selben Jahr einigten sich die deutsche und die russische Seite darauf, an diesem Ort in Zukunft gemeinsam an den Krieg, der für beide Länder zu den schrecklichsten Abschnitten ihrer Geschichte zählt, und an die Kapitulation zu erinnern, mit der der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Herrschaft beendet wurden. Eine deutsch-russische Expertenkommission aus Historikern und Museumsfachleuten entwickelte ein neues Konzept für das Museum und machte sich an die Umsetzung. Es wurde ein deutsch-russischer Trägerverein für das neue Museum Berlin-Karlshorst gegründet, das dann 1995 zum 50. Jahrestag des Sieges über den Faschismus wiedereröffnet wurde. Die neuen Schwerpunkte, die bei der Gestaltung der Ausstellung besonders beachtet wurden, liegen weniger auf dem „Heldenhaft-Pathetischen", wie das noch im alten Museum der Fall war. Vielmehr stehen nun die Opfer des Krieges auf beiden Seiten im Vordergrund. Die Ausstellung widmet der Zivilbevölkerung nicht weniger Beachtung und Raum als den Soldaten. Außerdem strebt sie an, durch Genauigkeit und differenzierte Herangehensweise Klischees abzubauen, die die gegenseitige Wahrnehmung beeinträchtigen könnten. In den Ausstellungsräumen werden mit Waffen, Uniformen, Fahnen, Originalobjekten des militärischen Alltags, Fotos, Ölbildern und Skulpturen sechzehn Themenbereiche präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch einführende Texte, Karten und Graphiken sowie authentisches Film- und Tonmaterial. Vom ehemaligen Kapitulationsmuseum blieben der Kapitulationssaal, das Arbeitszimmer Marschall Schukows sowie das große Diorama „Sturm auf den Reichstag" unverändert erhalten und wurden viele Ausstellungsstücke übernommen, die den Grundstock des neuen Museums bilden. Dessen Neugestaltung wurde von zahlreichen Museen, wissenschaftlichen Einrichtungen und vielen privaten Helfern unterstützt. In erster Linie haben das Zentrale Museum der Streitkräfte in Moskau und das Deutsche Historische Museum in Berlin mit Exponaten aus ihren Beständen zum Aufbau der Exposition beigetragen und organisatorische Hilfe geleistet. Auch die Stiftung „Topographie des Terrors" hat Fotos und Dokumente beigesteuert.
Die Ausstellung ermöglicht dem Besucher, den Zweiten Weltkrieg von seiner Vorgeschichte bis hin zu den Nachkriegsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu verfolgen. Dokumente zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917 bis 1933, zum Hitler-Stalin-Pakt von 1939 erörtern das Vorfeld und den Beginn des Krieges. Zahlreiche Materialien dokumentieren die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und bilden den Soldatenalltag auf beiden Seiten und das Leben der sowjetischen Bevölkerung im Krieg ab.
Deshalb bedarf es hochgradiger Sensibilität und eines Geschicks im Umgang mit dem Fotomaterial und dessen Anordnung.
Die Fotos, die einen wichtigen Teil der Ausstellung bilden, erzählen in bewußt distanzierten Tönen die Geschichte des Krieges, begleiten den Betrachter durch die Jahre des Kampfes und der Trauer. Es wird nicht auf das Spektakuläre gesetzt, sondern in vielen Bildern ist eine Botschaft enthalten, die die abgebildeten Personen zugleich zu symbolischen Figuren macht, sie über die persönliche Erfahrung hinaus erhebt.
Allein im Rahmen der „Langen Nacht der Museen" am 22. August in Berlin haben 600 Interessierte die Ausstellung auf sich wirken lassen. Unter den Besuchern sind viele Schüler, Jugendliche, Touristen und Soldaten, aber auch diejenigen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und nun versuchen wollen, ihre persönlichen Erinnerungen, die natürlich als eigene Leidensgeschichte im Gedächtnis geblieben sind, mit der Darstellung des Museums zu vergleichen, die einen Bezug zur historischen Sichtweise ermöglicht. Es ist nicht einfach, durch dieses Museum zu gehen. Es ist nicht einfach, aber auf jeden Fall der Mühe wert, die Geschichte unter dem Blickwinkel des Menschlichen zu sehen, um zu begreifen, daß Krieg als Mittel der Politik unter allen Bedingungen für die Zukunft ausgeschlossen werden muß. Das Museum Berlin-Karlshorst ist eine Chance für alle, die einen Ausflug in die Vergangenheit wagen möchten und von dem Wunsch geleitet sind, eine vorbehaltlose und vorurteilsfreie Darstellung eines Kapitels aus dem Schicksal des deutschen und des russischen Volkes zu erleben, und dabei keine Angst haben, einer schmerzlichen Episode der eigenen Geschichte von Angesicht zu Angesicht entgegenzutreten. Testen Sie WOSTOK unverbindlich im Probeabo! |