Kultur

aus WOSTOK SPEZIAL: Die Westliche Ukraine
 
Reise nach Uschgorod - Reise ans Ende der Ukraine [ Volltext ]
Lwiw - Bilder einer Stadt [ Volltext ]
Auf den Spuren der Lemken, Bojken und Huzulen [ Abstract ]
Vom Reiz der Kaffeehäuser in Lwiw [ Abstract ]
Ist die moderne ukrainische Literatur virtuelle Literatur? [ Abstract ]
Zerstörtes Land, versunkene Schicksale - eine literarische Reise [ Abstract ]
Unendlich viel Geduld - die Arbeit der Restauratoren [ Volltext ]
Die Farben Galiziens - Kunst aus Lwiw [ Abstract ]
Eine jahrtausendealte Geschichte - das Kunsthandwerk [ Abstract ]
Hier lebt der Geist des großen Iwan Franko [ Abstract ]
Tschernowitz - die vielgestaltige Heimat [ Abstract ]

Spezial: Westliche Ukraine
Galizien, Bukowina, Transkarpatien - Streifzüge durch Geschichte und Kultur

Das Spezial dieser Ausgabe ist einem Teil der westlichen Ukraine gewidmet. Wir versuchen, uns der Geschichte und Kultur dieser Region zu nähern, die eine äußerst wechselhafte Geschichte durchlebte und von vielen Staaten und Herrschern beherrscht und beeinflußt wurde.

Das Spezial ist natürlich auch als Sonderdruck für 7,00 EUR beziehbar. Erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder direkt beim Verlag.

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Reise nach Uschgorod - Reise ans Ende der Ukraine
von
Ina Tkatsch, Journalistn, Moskau


Die Zeit der phantasielosen Massenkleidung in Usbekistan ist vorbei, die Modebranche nimmt einen stürmischen Aufschwung. Es sind vor allem junge Modeschöpferinnen und Modeschöpfer, die hier Marken setzen. Gute Qualität, perfekte Schnitte, hochwertige Stoffe - und alles in Kleidung gegossen, die - unabhängig, ob sie im Alltag oder zu Festtagen getragen wird - die Individualität und Einzigartigkeit der Trägerin oder des Trägers unterstreichen soll. Ganz selbstverständlich greifen die usbekischen Modemacher auch auf traditionelle Elemente zurück - und so schlagen sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Moderne.

Was hatte mir die hilfsbereite Frau am Fahrkartenschalter im Lwiwer Bahnhof noch geraten? Ich solle in Mukatschewo in jedem Falle die zehn Minuten zum Busbahnhof laufen und ein Marschroutka für die vierzig Kilometer bis Uschgorod nehmen - um Zeit zu sparen, wie sie meinte. Die Elektritschka sei langsam, fahre zudem über Tschop - ein Umweg von vielleicht zwölf Kilometern...

Uschgorod, das transkarpatische Gebietszentrum, ist eine alte Festungsstadt. ...
 
Seufzend denke ich an ihren besorgten Hinweis. Anderthalb Stunden ruckelt die Elektritschka nun schon über plattes Land. Weite Landschaft, flirrend, milchig fast in der Hitze. Der Schweiß rinnt mir den Rücken hinunter, kein Luftzug im Waggon, das Wasser längst getrunken, in meinen müden Hirnwindungen kommen Erinnerungen an die Kara Kum hoch. Fünfzig Grad Celsius, und mit zwanzig Kilometern pro Stunde schlängelte sich unser Wolga damals an Schlaglöchern vorbei durch die Wüste Turkmenistans. Den damaligen Niedriggeschwindigkeitsrekord haben wir längst unterboten. Nach zwei Stunden sind wir endlich in Tschop - dreißig Kilometer von Mukatschewo entfernt. Alle Hektik, aller Druck unserer schnellebigen Zeit sind längst gewichen. Hier gibt es nichts, was treibt. Die Langsamkeit von Raumdurchmessung scheint auch die Zeit zu verlangsamen. Bewegung mißt sich nicht im realen Vorwärtskommen, sondern in der Veränderung der Zusammensetzung der Menschen im Waggon.

Viel Volk steigt auf dem Weg ein und aus. Feldarbeiterinnen und Gartenarbeiterinnen mal mit, mal ohne Fahrrad, mal mit, mal ohne Kinder kommen und gehen, ein Jugendlicher mit Trauben und Tomaten aus dem elterlichen Garten sucht Kontakt zu zwei Stadtmädchen, von denen nur eines auf sein Angebot eingeht und von den Trauben nimmt. Und schließlich die Zigeuner - zwei, mit Violine und Akkordeon. Sie treten in Konkurrenz zu einer Alleinunterhalterin mit schwarzschimmernden Händen (Erfrierungen - oder was es sonst sein mag). Böse blitzen die Augen des mitreißend, ja, verzehrend und hingebungsvoll spielenden Zigeuners, als die Hellhäutige es wagt, die Aufmerksamkeit der Passagiere durch eine Tanzeinlage auf sich zu ziehen. Abgelenkt der Junge, der sich von der werbenden (herzzehrend tanzenden und singenden) Frau umgarnen läßt. Geld nehmen die beiden nicht für ihre Darbietung, vielmehr scheinen sie ihre "geschäftsleutemäßig" aussehenden Begleiter von ihrer überragenden Kunst überzeugen zu wollen. Ob es da wohl um eine Anstellung geht?

... Doch hat die Stadt nicht zuletzt aufgrund ihrer Bewohner ein jugendliches Flair
 
Ach, weites plattes Land jenseits der Karpaten - Ungarn, die Slowakei, Rumänien nur Katzensprünge entfernt. Buntes nationales Leben - erkennbar an der Kleidung, dem Dunkel der Gesichtsfarbe und der Haarfarbe, dem Singsang der Sprachen - von denen just hier keine Russisch ist. Schon müde und erschöpft von der langen Fahrt ab Lwiw (280 Kilometer - eine Tagesreise) lehne ich mich auf der Holzbank zurück, drücke mich ein wenig dichter ans Fenster, um meinem kleinen quirligen Banknachbarn nicht unnötig Bewegungsfreiheit zu nehmen. Nach zwei Stunden ist alles Demut und Ruhe. Am Horizont zeichnen sich schon Hügel ab, und ich möchte glauben, daß dort auch Uschgorod liegt - die alte Stadt auf sieben Hügeln, die alte Festungsstadt.

Endlich Einfahrt in Uschgorod. Ein Bahnhof, der durch nichts überrascht, durch nichts besticht. Nur weg hier: hinein in die Stadt hinein, ins Leben der transkarpatischen Hauptstadt, dem kleinsten Verwaltungszentrum der Ukraine - trubelig und bunt soll es sein, war mir versprochen worden.

Die ersten Eindrücke von der Stadt sind "sowjetische". Lange grade Hauptstraße - der Freiheitsprospekt, der einzige Prospekt der Stadt übrigens, und er zieht sich runter bis an den Fluß, der hier in Uschgorod sanfte Kurven zieht, Plattenbauten links und rechts - an der ersten größeren Kreuzung das Hotel "Sakarpatija", das Ende der 70er Jahre den Betrieb aufgenommen hat, ein Intourist-Hotel in Reinform. Auf der Kreuzung baut die orthodoxe Kirche ihre neue Kathedrale - überdimensioniert und gewaltig, ein Steinmassiv, seit Beginn der Baumaßnahmen im Jahre 1994 sind mehr als zwei Millionen Ziegelsteine verbaut worden. In der Tat: mit dem höchsten Kreuz in fünfzig Metern Höhe ist sie zu groß für die kleine Stadt. Dann ist man schon beinahe im Zentrum. Die Straße entlang stehen schnukkelige Häuser - zwischen ihnen führen nach links und rechts unbefestigte Wege in fast dörflich anmutende Straßenstrukturen mit Häusern aus Stein oder Holz. Überquert man den Petöfi-Platz, stutzt man - so recht mag das Denkmal für den ungarischen Dichter nicht auf den Platz passen. Die Uschgoroder jedenfalls - gewohnt an Denkmäler mit Postament - stehen der auf dem Gras stehenden schmalen Skulptur mit Skepsis gegenüber. Daran, daß hier im 19. Jahrhundert der Viehmarkt viel Volk anzog und Anfang des 20. Jahrhunderts der Obst- und Gemüsemarkt die Besucher aus dem gesamten Karpatengebiet einlud, erinnert heute nichts mehr. Kurz vor der Fußgängerbrücke über den Usch zeigt sich schon wuseliges Leben. Viele Geschäfte auf dem Straßenstück davor, und auf der Brückenrampe - Händler, die Kräuter, Blumen, Steine mit Heileigenschaften und allerlei Schönes anbieten. Die Brücke selbst - als sei sie der Nabel der Welt: Treffpunkt der Jugend, der Alten.

Auf der anderen Seite des Flusses dann seltsame Orientierungslosigkeit. Eine Fußgängerzone wie in einer Mittelstadt in Deutschland. Ein Geschäft neben dem anderen -Boutiquen, Parfümerien, Computerläden - Cafés und Restaurants - pseudomexikanisch und Pizza-Pizza. Alles neu und nett gestaltet, bunte Farben an den Häusern, Ziegelsteine am Boden - leuchtend. Aber gerade hier, zunächst in der Theatergasse, dann in der schmalen Korsostraße mit ihren ein- und zweigeschossigen, reich mit Stuck verzierten Häusern hat sich die ältere Stadtarchitektur wunderbar erhalten. Und irgendwie fühlt man sich erst jetzt wirklich angekommen - den eigenen Vorstellungen von dieser Stadt näher.

Uschgorod ist klein - vielleicht etwa vierzig Quadratkilometer groß -, nichtsdestotrotz gibt es siebzehn Stadtviertel, auf die sich die 125000 Bewohner verteilen. Mehrheitlich Ukrainer, Russen und Ungarn, aber auch Tschechen, Slowaken, Rumänen, Polen, Armenier, Roma und viele andere. Es heißt, daß 76 Nationalitäten in der Stadt leben. Mag dem so sein. Ohne Zweifel wird die Atmosphäre durch ihre selbst im fortgeschrittenen Alter jugendlich wirkenden Bewohner geprägt. Das hat nicht nur mit der Grenznähe und den jahrhundertealten Beziehungen zu Rumänien, der Slowakei und Ungarn zu tun (wobei diese sicher helfen, daß hier alles mit nur wenigen Worten "in Bewegung gesetzt" werden kann, die Menschen selbst damit auch beweglicher bleiben). Nein, dies hat auch mit dem Stolz der Uschgoroder auf ihre Universität zu tun, damit, daß hier einst ein bedeutendes Priesterseminar existierte und eine der ältesten Ausbildungseinrichtungen für Pädagogen - das Lehrerseminar - hier ihren Sitz hatte, auch wenn dieses unter den Sowjets dann zuerst in eine Fachschule verwandelt und schließlich endgültig geschlossen wurde.

Anders tickt das Leben hier am Rande der Ukraine. Natürlich setzt man ein wenig auf die Touristen, die kommen sollen, nicht mehr nur aus den postsowjetischen Ländern, sondern auch aus westeuropäischen. Mit Nachdruck wird auf die Vielsprachigkeit verwiesen: Russisch spricht man, auch Ukrainisch, selbstverständlich, aber auch Rumänisch, Slowakisch, Englisch. Und dann: die Karpaten gelten als ökologisch reine, unverfälschte Natur, und mit ihren Hunderten Mineral-, Heil- und Thermalwässern hat man doch alle Voraussetzungen für die weitere Entwicklung eines sanften Tourismus - so denkt man zu recht in der Gebietsverwaltung. Und natürlich würde auch die am Rande der transkarpatischen Ebene liegende Gebietshauptstadt daraus Gewinn schlagen können. Uschgorod, das als Perle der Karpaten und als Goldenes Tor der Ukraine nach Europa gilt. Und ist es nicht so, daß Berlin, Bukarest, Warschau unwesentlich weiter entfernt sind als Kiew, während bis Budapest nicht einmal die Hälfte der Strecke zu bewältigen ist und es selbst bis Wien noch 170 Kilometer weniger sind als bis in die ukrainische Hauptstadt? Was wollte man dem entgegensetzen.

Man darf sich aber auch nichts vormachen. Uschgorod ist eine Kleinstadt in der Provinz. Es ist eine alte Stadt, deren Festung auf dem Schloßberg erstmals im Jahre 872 in einer Chronik Erwähnung findet. Die Festung existiert bereits seit Jahrhunderten nicht mehr. Stolz ist man heute aber auf das Schloß, das das Transkarpatische Heimatkundemuseum wie auch das Museum für Stadtgeschichte beherbergt. Ein Besuch lohnt sich schon allein wegen der über 2000 Stickereien (gerade die Karpatenvölker sind für diese Volkskunst berühmt), der reichen naturwissenschaftlichen Ausstellung sowie der größten Münz- und Bronzesammlung der Ukraine. Ja, irgendwie gelangt man hier und im gleich daneben liegenden Museum für Volksarchitektur und traditionellen Lebensweise zu den Wurzeln der Stadt und des Gebiets. Gerne wird der Besucher auch mit ins Kunstmuseum genommen, das natürlich "klassische" Kunst aus Rußland, der Ukraine und einigen westeuropäischen Ländern zeigt, sich aber in Wechselausstellungen auch immer wieder der regionalen Kunst widmet, und ins Zoologische Museum, das die Vielfalt von Flora und Fauna des Gebiets zeigt. Und natürlich bieten auch die Gotteshäuser - von griechisch-katholisch bis zu den Reformierten - reiches Material zum Staunen und Schauen.

Spektakuläres hat Uschgorod nicht zu bieten. Doch reizvoll ist die Perle der Karpaten oder das Goldene Tor der Ukraine nach Europa im Detail
 
Aber tatsächlich ist Uschgorod eine Stadt, die reizvoll auch durch ihre Details ist. Eine Stadt, in der eine 500jährige Platane und eine 300jährige Esche ebenso zum Staunenswerten gehören wie der Steingarten mit der Skulptur der Begründer der transkarpatischen Malereischule Bokschai und Eredeli. In der man, wie es heißt, die längste Lindenallee in Europa entlangschlendern und das Laudons Arboretum mit seinen seltenen Pflanzen besuchen kann. In der fünf besondere Parks einladen - darunter der Pidsamkowi-Park, der Anfang des 17. Jahrhunderts speziell zur Abrichtung der Tiere für die Königsjagd angelegt wurde. In der man auf allerlei große Namen aus aller Welt stößt - für die Gedenktafeln an den unscheinbarsten Häusern wie den prächtigsten Villen angebracht sind -, litauische Fürsten und tschechische Dichter, transkarpatische Politiker und Wissenschaftler...

Spektakuläres hat Uschgorod nicht zu bieten - es sei denn, man findet sich zufällig an einem der Tage ein, an denen so richtig gefeiert wird - seien es die nationalen Feiertage der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, sei es das Weinfest, seien es irgendwelche Jazz- und Dichterfestivals oder aber - als Höhepunkt: der Tag der Stadt am 1. Oktober. Da wird ein jeder einbezogen: Fremde und Fremdes kennt man hier nicht.

Mit Bedauern sitze ich im Marschroutka, das in vierzig Minuten nach Mukatschewo rast. Vielleicht hätte ich doch wieder die Elektritschka nehmen sollen: Langsamkeit des Ankommens und des Entfernens.
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Lwiw - Bilder einer Stadt

(it)

Das Opern- und Ballettheater
 
Lwiw ist das Nebeneinander und das Miteinander von Kulturen, Stilen, Architekturen, Denk- und Lebensweisen. Lwiw wirkt trotz seines Alters - gegründet wurde die Stadt 1256 - jugendlich. Durch die Innenstadt scheint, obwohl sie von Hügeln umgeben ist und sich die Hitze im Sommer im Tal staut, stets ein frischer Wind zu streichen. Möglicherweise weil hier das Leben in der Öffentlichkeit stattfindet: Leben auf dem Freiheitsboulevard, in den Parks, in den Cafés und Kneipen. Lwiw, das sich als das politische und kulturelle Zentrum der gesamten Westukraine versteht, weiß seine Rolle als Mittlerstadt, als interkommunikatives Zentrum zwischen Osteuropa und den zentral- und westeuropäischen Ländern zu spielen. Eine Magie geht von der Stadt aus, der man sich kaum entziehen mag. Und verglichen mit den anderen westukrainischen Zentren - mit Uschgorod, Iwano Frankiwsk, Tschernowitz, Ternopil - ist Lwiw mit seinen mehr als 800000 Einwohnern natürlich eine Metropole mit Außenwirkung in die gesamte Region. Keine der anderen Städte weist so viele Museen, so viele Kirchen, so viele architektonische Schätze auf wie die alte Stadt am Knotenpunkt von Handelswegen. Eine Stadt, die die Einheimischen wie die Besucher in ihren Bann zu ziehen vermag. (it)
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Auf den Spuren der Lemken, Bojken und Huzulen

von
Ina Tkatsch, Journalisti, Moskau


Zwei der ukrainischen Freilichtmuseen für Volksarchitektur und traditionelle Lebensweise mit alten Höfen und Kirchen stehen in der Westukraine - in Lwiw und in Uschgorod
Vier Freilichtmuseen machen in der Ukraine mit der Volksarchitektur, der Haus- und Wirtschaftsführung sowie dem reichen Volksschaffen verschiedener Völkerschaften bekannt. Zeit muß man sich nehmen, um den Detailreichtum würdigen zu können, der aus unterschiedlichen Regionen der Ukraine zusammengetragen wurde und längst vergangene Zeiten wie auch noch existierende Lebensformen ins Bewußtsein ruft.
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Vom Reiz der Kaffeehäuser in Lwiw

von
Juri Wynnytschuk, Schriftsteller, Journalist, Lwiw


Lwiw trinkt gern, es versteht zu trinken und hat etwas zu trinken, sagten und sagen die Bewohner Lwiws stolz über sich selbst
 
Legendär ist die Kaffeehauskultur der galizischen Metropole Lwiw, und die Geschichte der Kaffeehäuser weist interessante Entwicklungen und Brüche auf. Nachdem die Kaffeehauskultur in der Sowjetzeit zwar nie ganz verschwunden, aber doch zurückgedrängt war, erlebt sie heute eine zweite Blüte. Neueröffnete Kaffeehäuser laden Bewohner und Gäste der Stadt zum Ausruhen und Entspannen, zum Treffen mit Freunden und Geschäftspartnern oder einfach zum Zeitunglesen und Nachsinnen ein.
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Ist die moderne ukrainische Literatur virtuelle Literatur?

von
Natalka Snjadanko, Journalistin, Philologin, Schriftstellerin, Lwiw


Tschernowitz um 1900: die Residenzgasse mit dem Residenzgebäude
 
Wenn es nur wenige Neuerscheinungen - Lyrik und Prosa - in Ukrainisch gibt, bedeutet dies dann, daß es eine ukrainische Literatur nicht gibt? Wenn Studierende keine ukrainischen Schriftsteller der Gegenwart nennen können, heißt dies dann, daß das Land derzeit keine gute Literatur hervorbringt? Oder gibt es andere Gründe dafür, daß nur ein kleiner Kreis Eingeweihter mit den letzten Entwicklungen der ukrainischen Literatur vertraut ist? Liegt es an finanziellen Gründen, am allgemeinen Desinteresse, an der allgemeinen Risikoscheu der Verlage und den fehlenden Vertriebsstrukturen? Oder ist eine Ursache vielleicht darin zu suchen, daß die Mehrheit der Ukrainer nach wie vor Russisch spricht?
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Zerstörtes Land, versunkene Schicksale - eine literarische Reise

von
Mareile Ahrndt, Journalistin, Berlin


Lwiw um 1900: das Stadtzentrum
 
Galizien und die Bukowina sind als geschichtliche Landschaften legendär. Viele bedeutende Schriftsteller stammen von dort - allen voran Joseph Roth und Paul Celan. Doch wer eine Reise durch die Literatur macht, die von Lwiw nach Tschernowitz führt, begegnet auffallend häufig Frauen: Frauen als Autorinnen, Frauen als Protagonistinnen. Ein Beweis dafür, daß Frauen, trotz ihres Schattendaseins, die Grundfesten dieser Gebiete waren. Die zahllosen Memoiren von Menschen aus den verlorenen Weltgegenden öffnen mit dieser Lesart das Tor zu einer literarischen Reise in die Vergangenheit.
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Unendlich viel Geduld - die Arbeit der Restauratoren

von
Juri Durkot, Journalist, Lwiw


Die Lemberger Restauratoren haben alle Hände voll zu tun - viele Baudenkmäler der Stadt brauchen dringend ihre Hilfe. Doch es fehlt überall an Geld - der Staat finanziert kaum noch die Arbeit der Restauratoren.

Andrij Potschekwa setzt noch mal nach - die Spritze spuckt eine weitere Portion der weißlichen Lösung aus Kalk und Kasein (wichtiger Eiweißbestandteil der Milch) in den Riß an der Decke. Eine Girlande ähnlicher Spritzen hängt über dem Altarteil. In den zweieinhalb Jahren, die die Arbeiten am Gewölbe des Hauptschiffs der St. Andreaskirche in Lwiw nun dauern, hat man schon jede Menge "Milch" - so wird die Lösung im Restauratorenjargon genannt - in die Wände gespritzt. Sie wirkt wie ein Klebstoff, und das ganze langwierige Verfahren dient zur Befestigung des Putzes - im Laufe der Jahre haben sich zwischen der Ziegelwand und dem Putz Hohlräume gebildet. Schließlich liegt die letzte Restauration schon über sechzig Jahre zurück. 1938 waren Polen am Werk, nach dem zweiten Weltkrieg durften die Fachleute nur kurz noch einmal an die barokken Wandmalereien des Bernhardinermönchs Masurkiewicz aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts heran.

Die Lwiwer Restauratorenschule verzichtet auf synthetische Mittel und verwendet weiterhin das aufwendigere natürliche Verfahren. Die damit verbundenen Unbequemlichkeiten nimmt man bewußt in Kauf
 
Die Kirche, ursprünglich ein Teil des Bernhardinerklosters, ist mehr als 200 Jahre älter als die Fresken. Errichtet wurde sie zwischen 1600 und 1620 von zwei italienischen Renaissancearchitekten: Paolo Romano und Ambrosius Nutclauss, letzterer ein Italiener aus dem Engadin, der in Lwiw unter dem Namen Przychylny bekannt wurde. Heute gehört die Andreaskirche der Griechisch-Katholischen Kirche. Den Großteil des Geldes für die Restaurationsarbeiten spendet der Mönchsorden des Hl. Basilius. Der Staat hilft nicht mehr - obwohl die Kirche mitsamt Klosterkomplex wie die ganze Lwiwer Innenstadt ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Von der UNESCO kommen allerdings auch keine Gelder, eher kann man schon mit einer Spende rechnen - so konnte vor einigen Jahren das Dach der Andreaskirche repariert werden. Eine Privatspende in Höhe von 100000 DM wurde immerhin von der deutschen UNESCO-Kommission zur Verfügung gestellt.

Man nehme eine Flasche Wein...

...und dazu Dreiviertel Liter Wasser sowie zwei bis drei Eier. Eigelb und Eiweiß müssen sauber getrennt werden. Diese Anleitung, die vielleicht an ein Rezept für eine leckere Speise denken läßt, ist keinem alten Kochbuch entnommen. Es geht hier um das Handwerk der Lwiwer Restauratoren. Auf diese Weise wird eine leicht säuerliche Eigelbmischung zubereitet, die man zur Nachbearbeitung der Wandmalereien benutzt, um die alten Farben frischer wirken zu lassen.

Die natürlichen Komponenten brauchen mehr Zeit zum Trocknen, was die Restauration in die Länge zieht
 
"Wir arbeiten grundsätzlich nur mit natürlichen Komponenten", erzählt die Projektleiterin Natalija Sliptschenko vom Institut mit dem schwer auszusprechenden Namen Ukrsachidprojektrestawrazija. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Überall werden immer öfter synthetische Materialien eingesetzt - in Charkiw genauso wie in Kiew oder in Warschau. Die Lwiwer Restauratorenschule verzichtet darauf und verwendet weiterhin das aufwendigere natürliche Verfahren. Die damit verbundenen Unbequemlichkeiten nimmt man bewußt in Kauf - schließlich müssen die Stoffe oft bis sechzig Grad Celsius erhitzt werden, man darf sie nur mit einem angewärmten Spezialspachtel auftragen. Die natürlichen Komponenten brauchen mehr Zeit zum Trocknen, was die Restauration in die Länge zieht. Man braucht ein Gutmaß Geduld, doch die ist neben Fingerspitzengefühl ohnehin Grundlage des Restauratorengeschäfts. "Dafür wissen wir, wie sich die natürlichen Stoffe verhalten. Für Putz und Farben haben wir die alten Rezepturen, die Alterungsprozesse sind uns bekannt. Wir können sicher sein, daß die Fresken auch in hundert Jahren nach demselben Verfahren erneut restauriert werden können", sagt Lubomyra Hanuljak, die das zehnköpfige Restauratorenteam in der Andreaskirche leitet. Es sind überraschend viele junge Leute dabei, manche kaum zwanzig, viele haben ihr Studium wohl noch nicht beendet. Die Fresken im Hauptschiff kennen sie mittlerweile auswendig. Hier leuchtet der heilige Franz von Assisi in neuer Frische, dort der Apostel Andreas... Bis Ende 2003 sollen die 980 Quadratmeter Wandmalereien fertig sein. Aber wie es weitergeht, weiß niemand. "Im Prinzip gibt es hier mindestens für drei bis vier weitere Jahre Arbeit für uns. Auch die Seitenschiffe müssen restauriert werden", hofft Natalija Sliptschenko. Doch die Finanzierung ist in keiner Weise gesichert. Als einzige Hoffnung bleiben die Ordensbrüder - anfangs nicht allzu begeistert von der "fremden" katholischen Kunst sind sie mittlerweile stolz auf ihre Kirche. Vater Mychajlo Lutschkiw ist zuversichtlich - zum Andreas-Tag im Jahre 2003 will er die Kirche in einer feierlichen Zeremonie neu weihen lassen, um dann die Restauration fortzusetzen.

Zauber der Ikonenwelt

Die Arbeit mit natürlichen Stoffen hat einen weiteren wichtigen Vorteil: der Prozeß kann "zurückgespult" werden. Ist etwas schiefgegangen, kann man es später nachbessern. Denn die Stoffe greifen im Gegensatz zu synthetischen Materialien nicht die Struktur der alten Substanz an. Dies sollte oberste Priorität für alle Restauratoren sein. Und ist es auch für Nadija und Andrij Skrentowytsch, die nichts von synthetischen Harzen und Polymeren wissen wollen. Die Lwiwer Familie, die seit Mitte der 70er Jahre im Restauratorengeschäft ist, hat sich auf die Ikonenkunst spezialisiert.

Behutsam setzt Nadija - eine Spezialbrille auf der Nase - in ihrer Werkstatt Schritt für Schritt die kleinen Tüpfelchen auf eine Heiland-Ikone aus dem 16. Jahrhundert. Die stark in Anspruch genommene Ikone stammt aus der Ortschaft Wolja Wysozka, keine vierzig Kilometer von Lwiw entfernt. Die Gemeinde wollte sie restaurieren lassen. An mehreren Stellen war die Farbe mitsamt Grundierung abgebröckelt, auch die Holzunterlage war stark beschädigt. Eine Reihe von Fragmenten mußte ergänzt und dazugemalt werden. Bei der Restauration ist das eigentlich verboten: die Aufgabe eines Restaurators besteht ja gerade darin, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen und dann zu konservieren und nicht seiner Phantasie freien Raum zu lassen. Nur bei Gebrauchsgegenständen sind Ergänzungen erlaubt. Aber man kann von den Gläubigen nicht erwarten, daß sie eine Ikone mit einem einäugigen Christus anbeten. Damit auch der Laie das Original von der Restauratorenhand unterscheiden kann, wird eine besondere Technik eingesetzt: das Gesamtbild besteht aus unzähligen winzigen Farbpünktchen, Pointillen genannt. Der Ende des 19. Jahrhunderts von Georges Seurat entwickelte Stil des Pointillismus gab den Anstoß zur Verwendung dieser Technik bei der Restauration.

"Wir arbeiten so, daß der Originalzustand stets wiederhergestellt werden kann. Wenn wir die ursprüngliche Farbe befestigt haben, überziehen wir sie mit einer dünnen Lackschicht, erst dann kommen die Ergänzungen, und zum Schluß wird die Ikone erneut mit einer Lackschicht versiegelt", erläutert Nadija Skrentowytsch.

Man braucht ein Gutmaß Geduld, doch die ist neben Fingerspitzengefühl ohnehin Grundlage des Restauratorengeschäfts
 
Auch die Skrentowytschs kennen die Finanzierungsprobleme nur zu gut. Staatsaufträge gibt es selten, auf einen ist Nadijas Ehemann Andrij deswegen besonders stolz. Der gelernte Architekt hat zusammen mit einem Team vom Institut Ukrsachidprojektrestawrazija die Ikonenwand für die wiederaufgebaute St.-Michaels-Kirche in Kiew entworfen und gefertigt, ebenso die Ikonenwand für die Mariä-Entschlafungs-Kirche im Petscherska Lawra. Beide Kirchen wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zerstört - die Michaelskirche in den 30er Jahren durch das kommunistische Regime, die Entschlafungskirche vermutlich durch die Deutschen in den ersten Kriegsmonaten des zweiten Weltkrieges. In akribischer Arbeit haben die Lwiwer Restauratoren unter der Leitung von Institutsdirektor Iwan Mohytytsch nicht nur Kopien von acht erhaltenen Ikonen, sondern auch den Entwurf für barocke Wandmalereien in der Entschlafungskirche hergestellt.

Dabei ist man im Depot des Nationalmuseums in Kiew auf eine sehr stark beschädigte Ikone gestoßen. Das ebenfalls aus dem Höhlenkloster stammende Kunstwerk wurde von Experten zunächst auf das 19. Jahrhundert datiert. Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte: unter späteren Schichten haben die Restauratoren ein Bild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts entdeckt. Nun wollen die Skrentowytschs diese Ikone restaurieren - sie liegt in der Institutswerkstatt, links und rechts mit dünnen Streifen Zigarettenpapier verklebt. Ein durchaus übliches Verfahren in der Branche, das beispielsweise auch bei der Restaurierung der Wandmalereien in der Andreaskirche angewandt wurde - denn häufig ist die alte Farbschicht in einem so schlechten Zustand, daß die Farbe bei jeder Berührung abzubröckeln droht. Bevor sie befestigt werden kann, muß das Spezialpapier angebracht werden. Erst dann kann man durch das Papier die Festigungsmittel auftragen.

Die Misere der Renaissanceschlösser

Um viel Geld geht es beim Restauratorenberuf ohnehin nicht. Gerade mal 165 Griwna, umgerechnet dreißig Euro, bekommen die Restauratoren im Renaissanceschloß von Olesko. Hier wurde 1629 der künftige polnische König Jan III. Sobieski geboren, der 1683 einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der kaiserlichen Truppen über die Türken bei Wien leisten wird. Heute gehören das Schloß und das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Gebäude des Kapuzinerklosters zur Lwiwer Gemäldegalerie. Bekannt ist Schloß Olesko unter anderem durch seine Depots - sie sind die reichsten in der Ukraine und zählen über 3000 Skulpturen vom Anfang des 15. bis zum 20. Jahrhundert, über 400 alte ukrainische Porträts sowie zahlreiche Teppich- und Möbelsammlungen. Kein Wunder, daß das siebzig Kilometer von Lwiw entfernte Olesko früher eines der Zentren für die praktische Ausbildung der Kunststudierenden war.

In zwei Renaissanceschlössern - in Prdhirzi (oben) und im benachbarten Solotschiw - hat man mit den Restaurationsarbeiten schon begonnen, ein wenig Geld hat man durch Privatspenden aufgetrieben. ...
 
Heute versucht man mit bescheidenen Mitteln, die Bestände zu pflegen. Jedoch mangelt es an allen Ecken und Enden an Geld. "In jedem Sommer bringen wir unsere Teppiche und Ornate für wenige Minuten in den Klosterhof. Ein kurzes Sonnenbad ist sehr wichtig, denn es ist der beste Mottenschutz", erzählt Tatjana Sabodasch, die Kuratorin des Museums. Für die Möbelkollektion braucht man dringend ein Mittel gegen Holzfraß, doch leisten kann sich das Museum das teure Hylotox nicht, zuletzt wurde ihm das Schutzmittel gespendet. Sogar Skalpell und Salmiakgeist für die Restauratoren sind Mangelware. Denn auch das Mutterhaus, die Lwiwer Gemäldegalerie, leidet unter Finanzproblemen. Unter ihrer Obhut stehen drei weitere Renaissanceschlösser im Gebiet Lwiw - alle sind in einem nicht gerade berauschenden Zustand. Etwa nach dem Motto "Kunst fürs Volk" waren zu Sowjetzeiten in einem Schloß ein Krankenhaus für Tbc-Kranke, im zweiten eine Traktoristen- und im dritten eine Berufsschule untergebracht. Das in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts errichtete Schloß von Solotschiw wurde zwischenzeitlich sogar zu einem Gefängnis umfunktioniert - hier hat der NKWD 1941 vor dem Rückzug der Sowjettruppen mehrere hundert Menschen ermordet.

... Das Schloß in Pomorjany verfällt dagegen weiter
 
In zwei Schlössern - in Solotschiw und im benachbarten Pidhirzi - hat man mit den Restaurationsarbeiten schon begonnen, ein bißchen Geld hat man durch Privatspenden aufgetrieben. Das dritte Schloß in Pomorjany, das in seinen Ursprüngen bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts reicht, verfällt dagegen weiter. Bald soll auch hier mit den Arbeiten begonnen werden, ein Privatinvestor - man tippt auf einen Abgeordneten der Werchowna Rada - soll Interesse an dem Projekt bekundet haben. Doch weiß man hier aus eigener Erfahrung, was Versprechen in der Politik bedeuten. Obwohl mehrere hochrangige Regierungsbeamte und Politiker Schloß Olesko besucht haben, bleiben die versprochenen Gelder immer noch aus. Auch die in einem Wahlkampf für die Restauration einer Kirche am Rande Lwiws zugesagten Gelder hat niemand gesehen. Der Kandidat hat den Kampf verloren, die Restauratoren haben mittlerweile die Arbeiten abgeschlossen - kostenlos.

Ob sich die Situation jemals ändern wird, weiß niemand so recht. Bis dahin bleibt für die Restauratoren nur eins - Geduld. So sitzt Maria Kuliba im Keller des Kapuzinerklosters in Schloß Olesko und reibt den Hl. Florian (spätes 17. Jahrhundert, Lwiwer Schule), den Schutzpatron der Feuerwehrleute, mit dem hochgiftigen Dimethylformamid ein. Eines hat die frühere Bibliothekarin in ihrem heutigen Beruf neben ihrem Handwerk wahrlich gelernt - unendlich viel Geduld aufzubringen.
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Die Farben Galiziens -Kunst aus Lwiw

von
Oksana Horely, Mitarbeiterin des Kulturzentrums "Dzyga", Lwiw


Arbeit von Wolodymyr Kostyrka
 
Den Künstlern in Lwiw geht es finanziell nicht besonders gut. Auf dem internationalen Markt haben sie noch nicht so recht Fuß gefaßt, auf dem ukrainischen fehlt es an kaufkräftiger Kundschaft, die sich auch für experimentelle und Installationskunst interessieren würde. Und doch hat sich gerade in der Westukraine eine interessante Kunstlandschaft entwickelt, die sich erfrischend von der Kiewer Szene absetzt und auch nicht unreflektiert den westlichen Kunsttrends folgt.
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Eine jahrtausendealte Geschichte - das Kunsthandwerk

von
Raissa Sachartschuk-Tschugai, Mykola Mosdyr, Völkerkundeinstitut der ukrainischen Akademie der Wissenschaften, Lwiw


Besucht man die Ukraine, so kann man sich an den vielen schönen Dingen, die das Kunsthandwerk und die Volkskunst hervorbringen, erfreuen - an den bunten Webereien, den Stickereien, den geflochtenen Bast- und Weidearbeiten, den phantasievoll gestalteten Schächtelchen und Döschen, aber auch an der reichen Keramik. Viele Arten der Volkskunst haben in der Ukraine eine jahrtausendealte Geschichte.
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Hier lebt der Geist des großen Iwan Franko

von
Roman Herak, Schriftsteller, Direktor des Iwan-Franko-Museums, Lwiw


In Lwiw gibt es das Hausmuseum von Iwan Franko, das den Geist längst vergangener Zeiten heraufbeschwört
 
Iwan Franko gilt nach Taras Schewtschenko, dem Begründer der ukrainischen Literatur, als größter Schriftsteller der Ukraine. Sein literarisches Werk schloß er allerdings relativ früh ab, um sich danach wissenschaftlichen Forschungen in den Literaturwissenschaften, der Volksdichtung, der Geschichte und Politik und vor allem der Übersetzertätigkeit zu widmen. In Lwiw, wo der herausragende Literat und Gelehrte die letzten vierzehn Jahre seines Lebens verbrachte, gibt es ein Hausmuseum, eine Gedenkstätte, die nicht nur den Geist längst vergangener Zeiten heraufbeschwört, sondern die sich auch dem literarischen Nachlaß und der Ausstellungstätigkeit widmet.
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Tschernowitz - die vielgestaltige Heimat

von
Miroslaw Lasaruk, Journalist, Tschernowitz


Mykolai-Kirche
 
Tschernowitz und die Bukowina - zwei Namen, die die Phantasie anregen. Es ist eine eigenwillige und historisch interessante Region, von der es einst hieß, daß hier der Fisch in fünf Sprachen spricht. Auf diesem Fleckchen Erde lebten Ukrainer, Rumänen, Polen, Deutsche, Moldawier, Juden, Armenier, viele andere Nationalitäten, später dann auch Russen aufs engste miteinander. Viele Tschernowitzer - Literaten und Dichter, Komponisten und Künstler wie zum Beispiel Paul Celan, Rose Ausländer, Mihai Jemineski, Moshe Altman, und Itzig Manger - verließen ihre Heimat. Den meisten blieb die Sehnsucht nach diesem Stückchen Heimat mit seiner vielfältigen Kultur und seinen reichen Traditionen. Viele Kulturschaffende wurden während der Sowjetzeit dem Vergessen anheim gegeben. Heute beginnt man sich ihrer wieder zu erinnern: Bücher werden herausgegeben, Werke aufgeführt und Gedenktafeln an den Häusern angebracht.
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